CORONA-KRISE (7) – UND NUN NOCH DIE ANGST

Die Corona-Krise hat einen Wendepunkt erreicht. Vor allem jüngere Menschen wollen nun nach vorn schauen und wieder aktiv leben und arbeiten. Gut nachvollziehbar! Zudem haben sie kaum Angst vor einer Ansteckung. Ältere oder chronisch kranke Menschen sind aber durchaus ängstlich, weil sie zu den Risikogruppen gehören. Bei jedem Schritt, den sie jetzt in Richtung Freiheit gehen, besteht immer noch die Gefahr, angesteckt zu werden. Deshalb ist es gut, vorläufig noch vorsichtig zu sein. Wenn Menschen aber sehr bange sind, dann kann diese Öffnung für sie zu einem Problem werden. Die Gefahr existiert noch und wird, vor allem durch die Angst, als sehr real erfahren. Der lock-down war ein Versuch, die Gefahr auf Distanz zu halten. Aber das Virus verschwindet vorläufig nicht. Und auch unsere Ängste werden leider nicht so einfach wieder verschwinden.


EIN KÄFIG AUS ANGST

Angst ist eine zutiefst natürliche Reaktion auf eine unbekannte oder bedrohliche Situation. Sie ist ein Hinweis, wach und aufmerksam zu sein – und einen Weg zu suchen, mit dem Unbekannten umzugehen. Angst ist also nicht verkehrt! Wenn wir (wir selbst!) jedoch entscheiden, uns ängstlich zurückzuziehen, dann nehmen wir die Angst mit nach innen. Der lock-down war eine vorläufige Lösung gegen neue Infektionen, er hielt uns aus der »Gefahrenzone«. Aber zugleich haben wir unsere Ängste in diesen lock-down-Käfig mitgenommen. Und wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann werden diese Ängste selbst zu einem Käfig! Individuell, aber auch gesellschaftlich! Sterbeziffern (von Menschen hohen Alters!) werden auf einmal wichtiger als die verhängnisvollen Folgen des lock-downs für andere Menschen. Individuelle und gesellschaftliche Ängste flüstern uns ein, doch lieber im Käfig zu bleiben. Dann aber muss jeder Schritt in Richtung Freiheit an diesen Ängsten vorbei, sie müssen »überwunden« werden. Dafür ist Mut nötig, also die Bereitschaft, sich dem Risiko zu stellen. Unsere Angst verschwindet erst, wenn wir genau mit dem umgehen, wovor wir eigentlich Angst haben. Der Körper gewöhnt sich dann langsam an das Virus und produziert Abwehrstoffe. Um aber die körpereigene Abwehr aufbauen zu können, ist es nötig, erst die geistige Abwehr zu öffnen und die Angst zu überwinden. Um dem Bedrohlichen begegnen zu können – und es zu akzeptieren. Ein großer banger Schritt! Nur so kann das »Fremde« vertraut und weniger bedrohlich werden. Wenn der lock-down nun flexibler wird, dann kommt dieser Prozess von »Integration« in Gang. Wir müssen uns – auf geistigem Niveau – über Ängste hinwegsetzen. Allerdings ist die Überwindung von Angst ein ganz besonderes Projekt!


DIE ANGST HEILEN

Der Weg zurück in die Freiheit muss an unseren Ängsten vorbei; sie sind die »Stäbe« des Angst-Käfigs. Wenn Schloss und Riegel des lock-down nun langsam geöffnet werden, dann werden wir diese Ängste vielleicht wieder spüren. Dann kostet jeder Schritt Mut – für ängstliche Menschen! Aus diesem Grund wird der Weg zurück für manche nicht einfach sein. Mit dem lock-down konnten wir diese Ängste klein halten. Aber als Stäbe des Angst-Käfigs werden sie auf uns warten. Bei jedem Schritt in Richtung Öffnung müssen wir dann entscheiden: Nehme ich das Risiko oder bleibe ich lieber im »sicheren« Käfig? Leider ist diese Frage ein Irrtum: Dieser Käfig ist nicht wirklich sicher, denn es gibt keine Sicherheit. Niemals. Wir können uns noch so gut schützen, das Leben oder das Schicksal werden eine kleine Öffnung im Käfig finden, um hinein zu kommen. Das wissen wir und darum sind wir sogar im sicheren Käfig noch ängstlich. Die Rückkehr aus diesem Käfig ist wirklich nicht einfach. Aber der Weg in Richtung Freiheit ist der Weg zurück ins Echte Leben. Das Corona-Virus ist für unseren Körper gefährlich, aber die Angst ist gefährlich für unsere Seele. Vielleicht ist die Angst sogar das größere Problem, das gefährlicher »Virus«? Denn Angst schneidet uns von Gott ab. Wie aber lässt sich die Angst heilen? Nur, indem wir der ängstlichen Beklemmung mutig entgegengehen, mit allen Risiken. Indem wir Schritte in Richtung Leben gehen. Freiheit und Angst schließen einander aus. In der Angst gibt es keine Freiheit und wirkliche Freiheit kennt keine Angst. Die volle Freiheit erfahren Menschen in der Nähe Gottes: Wo Gott ist, kann keine Angst sein (Wiel Huis).


Vaalser Weekblad, 19 juni 2020

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