CORONA-KRISE (2) – WAS WILL SIE VON UNS?

Unser “Turm von Babel” stürzt ein – unser aller Turm! Denn dieses Mal geht es nicht um die Krise eines Einzelnen / einer Familie, diese Corona-Krise erfahren wir alle. Darum kann man darüber viel besser reden und seine Sorgen mit anderen teilen: Ob das wohl wieder vorbeigeht? Und wie lange wird dies dauern? Noch hoffen wir, dass es nicht so schlimm wird. Dass wir nochmal gut davon kommen. Zugleich scheint es, als ob diese Krise nötig war: Es ging uns zu gut. Unser Lebensstil war eine »Heilige Kuh« geworden, mit vielen «Goldenen Kälbern«. Wir hatten Gott nicht mehr nötig – ein starkes Ich reichte aus. Wir konnten alles bestimmen und hatten alles im Griff (dachten wir). Und nun kommt das Leben, die »Rechte Hand« Gottes, und zeigt uns, wie zerbrechlich diese eingebildete Eigen-Macht ist. Unsere Macht reicht nicht aus, das Virus zu stoppen. Wohl aber können wir versuchen zu verstehen, was diese Krise von uns verlangt. Eine Krise »zwingt« Menschen zu etwas, das sie noch nicht kennen oder noch nicht mitgemacht haben – individuell oder gesellschaftlich und in diesem Fall global. Durch eine Krise hindurchzugehen, bedeutet immer, zu lernen.

WAS MÜSSEN WIR LERNEN?

Durch die Corona-Krise haben wir unsere normalen »Haltegriffe« verloren: reisen, ausgehen, einkaufen, essen gehen, in Cafés gehen, Kontakte haben … Diese Aspekte gibt es zwar noch, aber sie taugen nicht mehr als Haltegriffe. Die Krise hat uns gezeigt, dass unsere Haltegriffe in der Luft hingen, dass sie nicht mit der Erde (Natur) und mit dem Himmel (Gott) verbunden waren. Haltegriffe, die nirgendwo festsitzen, sind keine echten Haltegriffe – oder? Wenn aber unsere üblichen Haltegriffe nicht mehr taugen, dann werden wir mit der Frage konfrontiert, was im Leben eigentlich wirklich zählt. Und auch mit der Frage, was diese Krise nun von uns will. Wenn wir verstehen wollen, was wir in dieser Krise zu lernen haben, dann brauchen wir nur zu schauen, wozu sie uns sowieso »zwingt«. Dieses Gezwungen-werden erzeugt ein Gefühl von Ohnmacht, denn es wird von uns etwas verlangt, das wir noch nicht können oder kennen. Und hierauf sind wir nicht vorbereitet!

KRISE ALS SCHULE DES LEBENS

Genau, hierauf sind wir nicht vorbereitet. Denn die Krise selbst ist eine Vorbereitung auf die folgende Phase unserer Entwicklung. Diesmal eher auf geistigem Niveau. Es geht darum, zurückzukehren zu Ruhe und Einfachheit. Zurück zur Familie – wenn das nicht geht, werden wir einsam; das ist nicht schön, aber lehrreich. Die Krise bringt uns wieder zu dem, was wir schon lange vergessen hatten: zur Essenz. Zu Dingen oder Aspekten, die essentiell sind. Zurück zu den »basics«, wie das heutzutage heißt. Natürlich hat jeder andere basics, also Dinge, die für ihn oder sie wirklich wichtig sind. Aber es gibt auch basics, die wir mit allen anderen gemeinsam nötig haben: ein gutes Klima, reine Luft, sauberes Trinkwasser, Nahrung ohne Chemie. Und vor allem Gesundheit, das haben die Älteren unter uns schon lange verstanden. Diese Krise zwingt uns auch, zu uns selbst zurückzukehren. Plötzlich müssen wir uns um uns selbst kümmern und werden von lästigen Fragen gequält: Wer bin ich, wenn dies alles wegfällt? Was kann ich aus dieser erzwungenen Einsamkeit lernen? Was ist eigentlich Leben und gibt es einen Gott? Zurück zu uns selbst und zu Gott, denn auch Gott hatten wir bei aller Betriebsamkeit aus dem Auge verloren. Krise ist die »Schule des Lebens«. Wenn die Krise zu schnell vorübergeht und wir bald zurückkehren könnten zum alten Leben (was wir natürlich hoffen!), dann besteht die Gefahr, dass wir nichts lernen. Dann wird es noch eine Welle geben müssen – oder selbst zwei? Die Weisheit des Lebens weiß, was gut für uns ist. Es ist ein wenig wie in der normalen Schule. Je besser man mitarbeitet, desto weniger tut es weh. Das erste Examen haben wir bereits bestanden: Wir haben gezeigt, dass wir Zusammengehörigkeit, Verbundenheit und Solidarität noch nicht vergessen haben. Ziemlich gut – oder?


Vaalser Weekblad, 10 April 2020

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