CORONA-KRISE (11) – UND DIE POLITIK

Kritik gehört zu dieser Zeit – oder gehört sie zum Mensch-sein? Wohl beides. Denn die besten »Schiedsrichter« sitzen auf der Tribüne. Bevor ich gleich die Politiker kritisiere, möchte ich darum erst deutlich machen, dass ich viel Respekt habe vor denen, die in dieser Corona-Zeit die Führung haben. Ganz sicher möchte ich mit ihnen nicht tauschen. Dann lieber meckern. Premier Rutte (NL) sagte einmal: „Mit 50% Kenntnis müssen wir 100% der Entscheidungen treffen.“ Nicht einfach. Gläubig oder nicht, auch Politiker sind (genau wie wir) nicht frei von der Angst vor dem Tod. Wir haben also die Verantwortlichen, die zu unserer ängstlichen Mentalität passen. Aber unabhängig von ihrer persönlichen Angst-Verfassung: Hören die Politiker auch auf andere Stimmen? Auf kritische Stimmen, die die Corona-Politik aus einer anderen Sicht betrachten? Denn auch die Medien spielen ihre besondere Rolle in diesem engen Angst-Spiel. Der Sensations-Journalismus pusht die Ängste, denn es geht noch immer um Einschaltquoten und Auflagen, oder? Außerdem sorgen die Medien dafür, dass keiner auf andere Gedanken kommt. Man darf nicht mehr anders denken, als es uns – politisch korrekt – vorgeschrieben wird. In moderner Sprache nennt man dies brainwash oder mind-control. Durch die einseitige Information, die die mainstream-Medien uns anbieten, werden wir in einer passiven Mentalität gehalten. So dass Kritik schon verschwindet, bevor sie überhaupt aufkommt.

KRITISCHE STIMMEN

Zu Beginn der Corona-Krise waren die Maßnahmen wahrscheinlich sinnvoll, um die Spitze der Infektionen abzuflachen (flattening the curve). Deshalb wurden sie von der Bevölkerung auch akzeptiert. Von dieser Spitze spricht nun niemand mehr. Und obwohl die Maßnahmen abgeschwächt wurden, sind Akzeptanz und Vorsicht inzwischen deutlich weniger geworden. Die Einschränkungen werden von vielen Menschen nicht länger als Schutz erfahren, sondern als »Freiheitsberaubung«. Darum kommen immer mehr kritische Stimmen auf, die auf die Folgen der Maßnahmen hinweisen. In den Niederlanden wurden sogar in einer Zeitung wie NRC (vorsichtige) Fragezeichen zur Strategie gesetzt. Regelmäßig werden durch »Café Weltschmerz« auf YouTube Interviews mit kritischen Wissenschaftler platziert, die vor den ernsten Folgen der Maßnahmen warnen. Auch wurden sogenannte »Brandbriefe« von niederländischen Ärzten und Mitarbeitern des Gesundheitssystems (auf Internet) publiziert, die auf die Folgen der Einschränkungen für kranke und gesunde Menschen hinweisen. Mit »Viruswahnsinn« ist in den Niederlanden eine große Gegenbewegung entstanden, mit einer breiten Unterstützung. Alles »Spinner«? Oder Menschen, die nachdenken und sich Sorgen machen über die schädlichen Folgen und die Richtung der Corona-Politik? Das Grundrecht auf Freiheit und auf freie Meinungsäußerung wird so sehr eingeschränkt, dass Menschen beginnen zu protestieren. Unter anderem äußern sie auch ihre Sorge um die Demokratie. Es besteht nämlich die Gefahr, dass – neben der Gesundheit für die übrige Bevölkerung – auch die demokratischen Spielregeln über Bord gehen. Ein Staat, der diese Demonstrationen verbietet, unterdrückt solche Stimmen und sorgt so für noch größere Probleme in der Zukunft.

KRITISCHE FRAGEN

Gläubig oder nicht – jede Entscheidung ist ein Problem. Für jeden und sicher für Politiker! Niemand weiß, wo wir auskommen werden, denn es gibt nun einmal keine Sicherheit. Weil dies nicht gut auszuhalten ist, versuchen die Politiker diese Krise mit einer Logik zu »managen«, die durch die Angst vor dem Tod beeinflusst ist. Wenn wir dieser Logik folgen (müssen), besteht die Gefahr, dass wir die eigentliche Lektion verpassen. Wie aber mit dieser Situation umgehen? Soll man – auf weltlichem Niveau – gegen diese »Freiheitsberaubung« in Aufstand kommen? Oder soll man sich – auf spirituellem Niveau – damit abfinden und lernen, was an der eigenen Innenseite zu lernen ist? Welches dieser Niveaus ist wichtiger? Ist Widerstand nicht auch spirituell? Wurzelt die Motivation für Widerstand im Wunsch, die schädlichen Folgen der Maßnahmen einzugrenzen oder wurzelt sie im Ego, das um seine individuellen Freiheiten fürchtet? Manchmal kann Widerstand eine »Heilige Pflicht« sein. Aber wer bestimmt das? Welches ist der richtige Weg? Wenn ich ehrlich sein darf: Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Noch nicht einmal für mich selbst!


Vaalser Weekblad, 7 Aug. 2020

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